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Top Themen rund um das Baugewerbe

Wanted: Frau am Bau


Steine klopfende, Schutt schippende und Bauträger schleppende Frauen waren nach dem Zweiten Weltkrieg ein gewohnter Anblick in deutschen Städten. Die Trümmerfrauen standen symbolisch für die Entstehung eines neuen Deutschlands. Sie waren es - wenn auch weitgehend gezwungenermaßen - die die Aufräumarbeiten nach dem Krieg erledigten und den Wiederaufbau ermöglichten.

 

Da erstaunt es, dass 1952 in der damaligen Bundesrepublik ein Berufsverbot für Frauen am Bau erteilt wurde. Es sollte dem Schutz der Frauen dienen, aber de facto manifestierte es eine Männerdomäne, in die Frauen auch bei Eignung oder dem ausdrücklichen Willen am Bau arbeiten zu wollen, nicht eindringen konnten. Das wirklich Erschreckende aber ist, dass dieses Verbot erst 1980 gelockert (es galt nun nur noch für das Bauhauptgewerbe) und erst 1994 komplett aufgehoben wurde! In der ehemaligen DDR sah die Situation anders aus, Frauen waren am Bau erlaubt und hatten dort auch ihren festen Platz. Aber im Bauhauptgewerbe waren auch sie eher die Ausnahme als die Regel.

Obwohl sich in den letzten Jahren einiges zum Besseren gewendet hat, sind die Zahlen von Frauen, die am Bau beschäftigt sind, immer noch gering. 2013, dem letzten Jahr aus dem verlässliche Zahlen hierzu existieren, waren ganze 9,1% der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe weiblich (Quelle: Statista), aus dem Bauneben- und -hilfsgewerbe liegen keine konkreten Zahlen vor, doch dort dürfte der Anteil höher sein.

Warum aber ist es so, dass es auch mehr als 20 Jahre nach der Aufhebung des Berufsverbots immer noch nicht mehr Frauen an den Bau zieht? Zunächst einmal ist das Bauwesen eine Branche, in der ein typisch männliches Bild über Jahre hinweg kultiviert werden konnte. Die körperlich schwere Arbeit und der rauere Umgangston sind mit den Wertevorstellungen und tradierten Verhaltensmustern von Männern eher vereinbar als mit denen von Frauen.

Obwohl sich in den letzten Jahren einiges zum Besseren gewendet hat, sind die Zahlen von Frauen, die am Bau beschäftigt sind, immer noch gering. 2013, dem letzten Jahr aus dem verlässliche Zahlen hierzu existieren, waren ganze 9,1% der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe weiblich (Quelle: Statista), aus dem Bauneben- und -hilfsgewerbe liegen keine konkreten Zahlen vor, doch dort dürfte der Anteil höher sein.

Warum aber ist es so, dass es auch mehr als 20 Jahre nach der Aufhebung des Berufsverbots immer noch nicht mehr Frauen an den Bau zieht? Zunächst einmal ist das Bauwesen eine Branche, in der ein typisch männliches Bild über Jahre hinweg kultiviert werden konnte. Die körperlich schwere Arbeit und der rauere Umgangston sind mit den Wertevorstellungen und tradierten Verhaltensmustern von Männern eher vereinbar als mit denen von Frauen.

 

Ähnlich sieht es mit der Aneignung bestimmten Wissens und bestimmter Fertigkeiten aus. Bereits in der Schule schrecken Mädchen vor mathematischen, technischen oder handwerklichen Fächern oft zurück. Daher wäre es angezeigt schon in der schulischen Bildung das Selbstbewusstsein der Mädchen bezüglich dieser Fächer zu stärken.

 

Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf spielt eine große Rolle. Teilzeitarbeitsplätze am Bau sind Mangelware. Da es aber immer noch die Frauen sind, die sich hauptsächlich um die Familie kümmern und eine umfassende Kinderbetreuung, insbesondere an Nachmittagen, noch nicht gegeben ist, scheint die Wahl eines 'familienfeindlichen' Berufsfeldes für viele Frauen immer noch unattraktiv zu sein.

 

Alle genannten Gründe bewirken auch das, was vielleicht als größter Hemmschuh für eine Beschäftigung von mehr Frauen am Bau wirkt: Es fehlt schlicht an genügend Vorbildern, mit denen sich der potenzielle weibliche Nachwuchs identifizieren könnte. Eine Wegbereiterin für nachkommende Generationen zu sein, ist schwer und liegt nicht jeder, denn diesen Wenigen kommt die Aufgabe zu, mit Vorurteilen aufzuräumen und sich als 'Minderheitenvertreterin' in diesem Berufszweig zu behaupten.

 

Nun könnte man sagen, dass der Mangel an Frauen am Bau eine Tatsache ist, die ebenso wie das Fehlen von männlichen Kindergarten-Erziehern so hinnehmbar erscheint und nicht weiter problematisch ist. Doch einmal ganz abgesehen davon, dass sich unsere Gesellschaft heute zunehmend um sogenannte „Diversity“ bemüht, also darum eine Vielfalt gesellschaftlicher Gruppen in alle Lebensbereiche miteinzubeziehen, und dies im Baugewerbe in Bezug auf das Geschlecht der Beschäftigten nicht gelingt, liegen die Probleme doch tiefer.

 

Das größte Problem an der Unterrepräsentanz von Frauen im Baugewerbe ist volkswirtschaftlicher Natur. Unsere Gesellschaft kann es sich schlicht nicht leisten, von vorneherein auf einen großen Teil der Bevölkerung als potenzielle Fachkräfte zu verzichten. Der Fachkräftemangel ist schon heute eklatant und wird sich mit der zunehmenden Überalterung der Bevölkerung noch verschärfen. Wenn Frauen nicht aktiv dazu ermuntert werden, auch einen Job am Bau in Betracht zu ziehen, werden wir keine Chance haben, dem Fachkräftemangel auch nur ansatzweise entgegenwirken zu können.

 

Was kann man also tun, um mehr Frauen für den Arbeitsmarkt Bau zu gewinnen? Wie oben bereits erwähnt, können bereits in der Schule mehr Anreize für Mädchen geschaffen werden, Fächer und Schulformen zu wählen, die einen Zugang zu Berufen mit technischem oder handwerklichem Hintergrund ermöglichen. Studien weisen darauf hin, dass die vermeintliche Schwäche von Mädchen in solchen Fächern weniger mit dem zu tun hat, was inhaltlich vermittelt wird, sondern wie es vermittelt wird. Auch hier könnten z.B. durch mehr weibliche Lehrkräfte oder andere Lehrmethoden mehr Mädchen für diese Fächer begeistert werden.

 

Eine großartige Initiative, die Mädchen an Berufsfelder heranführt, die nicht als 'typisch weiblich' gelten, ist der alljährlich stattfindende „Girls' Day“. An diesem Tag können Mädchen ab der 5. Klasse in „Männerberufe“ reinschnuppern. Alle Betriebe und Institutionen, die sich mehr weibliches Personal wünschen, können den Mädchen einen Tag lang Einblick in ihre Arbeit geben. Das Engagement der Baubranche beim Girls' Day könnte weit größer sein. Bisher haben vor allem IT- und andere techniknahen Unternehmen die Chance dieser Aktion für sich erkannt. Die Baubranche selbst ist also gefordert durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit und Maßnahmen wie den Girls' Day auf Mädchen und Frauen proaktiv zuzugehen.

 

Darüber hinaus muss ein 'weiblicheres' Bild des Baugewerbes entstehen. Dies kann in erster Linie von den Frauen, die bereits im Baugewerbe tätig sind, geprägt werden. Wenn sie ihre Vorbildfunktion gerne und aktiv erfüllen, werden sich andere Frauen ermutigt fühlen, am Bau einen befriedigenden, lohnenswerten Beruf finden zu können. Auch Frauen-Netzwerke, wie z.B. die Handwerkerinnen im Bauhauptgewerbe, die sich auf bauhandwerkerinnen.de präsentieren, sind wichtige Ansprechpartnerinnen für Frauen, die ihre Zukunft am Bau sehen. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe hat eine Plattform für Bauunternehmerinnen gegründet und erkennt damit ebenfalls die zunehmende Bedeutung von Frauen für die Branche an. Initiativen wie die beiden genannten werden hoffentlich dazu beitragen, dass es in absehbarer Zeit normal sein wird, dass Maurerinnen, Dachdeckerinnen und andere Handwerkerinnen sowie Ingenieurinnen und Unternehmerinnen am Bau tätig sind.

 

Foto: © sima - Fotolia.com

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22.04.2015
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Klar, die Anfänge sind ja schon gemacht.
Nein, dazu ist Bauen viel zu individuell.
Das wird nur bei einigen genormten Gebäuden funktionieren.
 

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